Die Sozialdemokratie braucht ein neues Reformkonzept. Im Zentrum steht dabei die Reform des Sozialstaats, der in seiner traditionellen Form in keiner Weise mehr den Veränderungen in der Gesellschaft gerecht wird. Die klassische Arbeitsgesellschaft ist Vergangenheit. Wer die Massenerwerbslosigkeit wirksam bekämpfen will, Gerechtigkeit und Frauengleichstellung anstrebt, braucht eine vielfältige Umverteilung der Erwerbsarbeit, mit der eine Veränderung des heutigen Gesellschaftssystems einher geht.
Nachhaltigkeit muss ein zentraler Begriff für sozialdemokratische Politik werden. Dies gilt für die ökologischen Überlebensfragen und die Entwicklungspolitik genauso wie für eine solide Finanzpolitik und einen neugestalteten Sozialstaat. Politik heute darf nicht zu Lasten der künftigen Generationen geschehen.
Wir müssen das nationalstaatliche Denken überwinden. Politik, auch die Parteipolitik, muss europäisiert werden, um Handlungsspielräume zurückzugewinnen. Auf der anderen Seite brauchen wir eine Renaissance der Kommunalpolitik, um Gesellschaft von unten zu verändern.
Fortschrittliche Politik muss Position beziehen und Entscheidungen fällen. Es gibt keinen Automatismus in der gesellschaftlichen Entwicklung, so wie das manche Marxisten glaubten und uns das heute manche sogenannte Modernisierer vorzumachen versuchen. Es gibt einen Unterschied zwischen linker und rechter Politik.
Mit dem Wechsel des Regierungssitzes meldet sich unter dem Stichwort Generation Berlin in der Bundeshauptstadt eine neue politische Generation zu Wort. Diese ist zum einen stark von ökologischen Debatten geprägt und zum anderen wie keine Nachkriegsgeneration zuvor mit bleibender Massenarbeitslosigkeit konfrontiert.
Mit unserem netzwerk wollen wir auch in Nordrhein-Westfalen einen Diskussionszusammenhang schaffen, der eintritt für neue Politikkonzepte, die zur Zeit in der Auseinandersetzung zwischen sogenannten Modernisierern und Traditionalisten drohen, zerrieben zu werden. Wir möchten unseren Beitrag dazu leisten, dass eindritter Weg in der sozialdemokratischen Diskussion beschritten wird und zu einem vermittelbaren Projekt weiterentwickelt wird.
Alles bloß nicht zu ernst nehmen, nix abschließend behaupten. Kann ja morgen schon wieder anders sein. Dies ist, in Anlehnung an Hanns Dieter Hüsch, ein Leitmotiv des netzwerks. Das ist kein Opportunismus, sondern bauchgesteuerte Dialektik. Es gibt in der Politik keine endgültigen Wahrheiten der Sozialismus kann kein Ziel sein, sondern immer nur der Weg. Vor diesem Hintergrund möchte das netzwerk eine offene und transparente Diskussionskultur pflegen und dazu einladen, sich zu beteiligen.