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Die Ideologie der Modernisierung
knüpft an den naiven Fortschrittsglauben der 60er und 70er Jahre an. In den
80er Jahren ging es dann darum, die Fortschrittsfolgen zu reparieren die Postmoderne erkannte die Grenzen des Wachstums. Die Tatsache der begrenzten Ressourcen
an Energie, Natur, Kapital, Tradition und Gemeinsinn schien Allgemeingut
zu sein, doch nun: Der Fortschrittsglaube erhebt noch einmal sein bemoostes
Haupt (Die Zeit).
Die
Modernisierung hat, wie alle Ideologien, den neuen Menschen vor sich: Einen Wechselbalg aus Emanzipation und Konkurrenzfähigkeit, unternehmerisch
die eigene Existenz bewirtschaftend und auf dem Markt der Lebensangebote ein souveräner
Kunde. (Die Zeit). Dieses Bild vor Auge solle der Mensch an die Gesellschaft
angepasst werden und umgekehrt dies ist der dogmatische Kern der scheinbar
so undogmatischen Modernisierung.
Früher
war Fortschritt noch der Kampfbegriff gegen Konservativismus und Reaktion, Modernisierung
dagegen ist das, was ohnehin abläuft. Es gibt nichts zu erwägen und
zu entscheiden. Modernisierer sind von der Last befreit, eine eigene Position
beziehen zu müssen. Wenn man schon zu oft auf die falschen Pferde gesetzt
hat, und dies ist das Gefühl einer ganzen politischen Klasse, dann wirkt
es wie eine Erlösung, wenn Gerhard Schröder entdeckt, dass es keine
linke oder rechte Wirtschaftspolitik gebe. Der Modernisierungsglaube verspricht
Sicherheit; wie im Marxismus darf man sich als williger Vollstrecker historischer
Gesetze fühlen, nur ohne die Fährnisse der Klassenkampfes und ohne das
Risiko, dabei auf die Nase zu fallen. (Die Zeit).
Wer
eine Gesellschaft will, die den erfolgreichen Unternehmer mit dem erfolgreichen
Künstler unter dem Motto Kreativität in allen Lebensbereichen (Blair/Schröder) gleichsetzt, kann nicht verhindern, dass marktwirtschaftliche
Gesetze die gesamte Gesellschaft durchdringen werden.
In
der Ideologie der Modernisierung setzt der Staat nicht auf die Steuerung der Wirtschaft,
sondern auf deren Förderung. Dies wird, unter Hinweis auf die Globalisierung,
mit eingeschränkten Spielräumen politischen Handels begründet.
Stattdessen ist eine differenzierten Betrachtungsweise der Auswirkungen von Globalisierungstendenzen
notwendig. Wenn die Krise der demokratischen Politik angesichts von Globalisierung
und Standortwettbewerb überwunden werden soll, so müssen die Lösungen
primär auf nationaler Ebene gefunden werden. (FES-Zukunftskommission)
Wer
Sozialleistungen auf die wirklich Bedürftigen beschränken
will, zerstört die Legitimationsgrundlage des Sozialstaats als ,geheime
Geschäftsgrundlage der Demokratie (Meyer). Wenn der Sozialstaat
weniger Netz, sondern mehr Trampolin sein soll (Blair/Schröder), wird eher
eine Ausweitung sozialpolitischer Aktivitäten benötigt, denn eine Einschränkung.
Wer behauptet, dass Flexibilisierung die richtige Antwort auf die Globalisierung
sei, braucht einen starken Sozialstaat als Rückhalt für die Menschen.
Die
sogenannten Modernisierer suchen die Anpassung an vermeidliche Zwänge durch
Globalisierungstendenzen und die Traditionalisten hängen alten Konzepten
mit uneingeschränktem Glauben an die Steuerungsfunktion des Staats an. Die
reformistische Linke in der SPD ist dringend dazu aufgerufen, ein vermittelbares
Projekt dagegenzusetzen einen Dritten Weg in der sozialdemokratischen Debatte.
Das Vermittlungsproblem hat eine Ursache darin, dass die Linke zwischen diesen
sogenannten Modernisierern und Traditionalisten egal ob sie sich links oder
rechts nennen droht, zerrieben zu werden. Die Auseinandersetzung zwischen Tradition
und Moderne verkürzt die Thematik erheblich, denn beide Seiten sind
sich in einem einig: in ihrem recht naiven Fortschrittsbegriff, der die Grundlagen
der industrialistisch-kapitalistischen Gesellschaft kaum in Frage stelle.
Nicht
nur die ökologischen Herausforderungen begründen die Notwendigkeit einer
nachhaltigen Politik, sondern auch die Belastung der künftigen Generationen
durch die enorme Staatsverschuldung muss beseitigt werden. Dies darf weder einseitig
durch Kürzungen geschehen, noch einseitig durch Steuererhöhungen. Grundsätzlich
bedarf dies politischer Entscheidungen, die nicht durch Sachzwänge vorgegeben
sind. Wer sich diesen Erfahrungen anschließt muss darauf beharren,
dass die Frage, was für Menschen wichtig ist und für das Gemeinwohl
zuträglich ist, nicht von der Wissenschaft und nicht vom Markt, sondern von
der Politik zu entscheiden ist. (Strasser)
Für
eine reformistische Linke muss die Bekämpfung der Massenerwerbslosigkeit
die zentrale Aufgabe sein. Und im Zuge des tiefgreifenden Wandels der Arbeitsgesellschaft
kann diese nicht mehr mit alten systemimmanenten Rezepten bekämpft
werden. Für einen Dritten Weg steht die Arbeitszeitverkürzung im Mittelpunkt.
Dabei geht es neben klassischer tarifvertraglicher Politik darum, ins Zentrum
der Reformpolitik die Förderung freiwilliger (Teil-)Arbeitslosigkeit zu stellen. Denn dies ist die notwendige Grundlage dafür, dass das verbleibende
Erwerbsarbeitsvolumen so gleichmäßig wie möglich verteilt werden
kann. Nach wie vor wird Erwerbsarbeit eine wichtige Rolle im Bewusstsein der Menschen
spielen. Der Zynismus des angeblichen Ideals eines lebenslangen und bestens tarifvertraglich
ausgestatteten Vollzeitarbeitsplatzes hat mit echter Reformpolitik nichts zu tun.
Die
Wiedergewinnung der Vollbeschäftigung mit den Mitteln staatlicher Wirtschaftspolitik und das heißt in der heutigen Praxis: durch Subventionierung der
Kapitaleinkommen (Scharpf) ist aussichtslos. Stattdessen brauchen wir
die Konzentration der Politik auf eminent politische Verteilungsfragen. Für solche Entscheidungen über die Verwendung des von der kapitalistischen
Ökonomie nach wie vor erzeugten Reichtums hat die demokratische Politik eine
wesentlich besser legitimierte Kompetenz als für die überaus komplexen
Fragen einer beschäftigungswirksamen Wirtschaftspolitik. Scharpfs Negativsteuermodell andere sprechen von Bürgergeld, allgemeinem Sozialeinkommen oder Grundeinkommen war ein Ausgangspunkt für ein zentrales Projekt der reformsozialistischen
Linken bei den Jusos, denn damit lässt sich der Sozialstaat von der Erwerbsarbeit
zu einem erheblichen Teil abkoppeln, freiwillige (Teil-)Arbeitslosigkeit wird möglich und die Armutsfalle des heutigen Sozialsystems wird
beseitigt. Zudem wissen wir durch umfangreiche Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung heute, dass solch ein Ansatz finanzierbar wäre.
Zeitwohlstand
wird, im Gegensatz zu dem ausschließlich über Konsum definierten und
die ökologisch Lebensgrundlagen langfristig in Frage stellenden Wohlstand,
zukünftig in unserer Gesellschaft eine entscheidende Rolle spielen. Wir
wollen eine Gesellschaft, in der neben der Arbeit auch die Muße und
das zweckfreie Spiel anerkannt werde. Neben der ins Leben eingreifenden Tat solle
auch das beschauliche Nachdenken, neben der geschickten Vertretung der eigenen
Interessen auch Liebe und Selbstlosigkeit als menschliche Möglichkeiten die
ihnen zukommende Anerkennung finden. (Strasser)
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